Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Was traumatische Situationen mit Menschen machen können

Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bleiben nach dem Erleben einer traumatischen Situation Symptome wie das Wiedererleben der Situation mit (Flashbacks), hohe innere Anspannung und Vermeidungsverhalten langfristig bestehen. Was genau man unter einem Trauma versteht, wie sich die Erkrankung im Alltag äußert und wie sie behandelt wird, erfährst du in diesem Artikel.

Was ist ein Trauma?

Ein Trauma kann jeder Mensch entwickeln, der sich in einer Situation befindet, in der er sich tatsächlich oder potenziell einer Todesgefahr ausgesetzt sieht, starke Verletzungen erleidet oder sexueller Gewalt ausgesetzt ist. Dabei verursacht nicht jede bedrohliche Situation ein Trauma. Aus diesem Grund werden Traumata in zwei Kategorien unterteilt.

Die erste Kategorie enthält sogenannte Typ-1-Traumata. Es handelt sich hierbei um Situationen, die relativ kurz andauern und einmalig stattfinden. Dazu zählen schwere Verkehrsunfälle, Naturkatastrophen oder auch einmalige sexuelle Übergriffe, kriminelle oder körperliche Gewalt.

Schwere Naturkatastrophen können Auslöser einer Posttraumatischen Belastungsstörung sein

Typ-2-Traumata werden hingegen durch langanhaltende oder mehrmalig stattfindende Ereignisse klassifiziert. Beispiele hierfür wären langandauernde Naturkatastrophen, z. B. ein Erdbeben, technische Katastrophen wie Giftgaskatastrophen oder sexueller und körperlicher Missbrauch in der Kindheit. Geiselhaft, Kriegserleben oder Folter können außerdem zu einem Trauma der zweiten Kategorie führen.

Diese Traumata führen oftmals zu einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung. Dieses Störungsbild wird in der demnächst auf Deutsch erscheinenden ICD-11 beschrieben und enthält neben den klassischen Symptomen (Flashbacks, Hyperaraousel und Vermeidung) auch dissoziative Symptome, Gefühle der Leere und Hoffnungslosigkeit, Ängstlichkeit, andauernde Gefühle von Bedrohung ohne äußere Ursache, misstrauische oder sogar feindselige Haltung gegenüber anderen und sozialen Rückzug.

Die (komplexe) Posttraumatische Belastungsstörung entsteht am häufigsten, wenn ein Trauma aus der zweiten Kategorie vorliegt. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, wenn es sich um ein interpersonelles Trauma handelt, also andere Personen schuld an der Traumatisierung sind. Ein Beispiel hierfür sind (sexuelle) Missbrauchserfahrungen in der Kindheit. Bei einer Naturkatastrophe hingegen spricht man von einem akzidentellen Trauma, da es hier keinen menschlichen Verantwortlichen gibt.

Durch welche Symptome zeigt sich die PTBS?

Ein Hauptsymptom der Posttraumatischen Belastungsstörung ist das Wiedererleben der traumatischen Ereignisse in Form von blitzlichtartigen Erinnerungsbildern (Flashbacks). Diese können von den Betroffenen kaum kontrolliert werden, sie fühlen sich als würden sie die Situation erneut durchleben. Hinzu kommen oftmals Albträume und eine starke psychische Belastung, wenn sich Betroffene in einer Situation wiederfinden, die sie an das Trauma erinnern.

Wiederkehrende Albträume können ein Symptom der PTBS sein

Weil es so unangenehm ist, an die ursprüngliche Situation erinnert zu werden, zeigen Betroffene in der Regel Vermeidungsverhalten. Sie versuchen, Gedanken und Gefühle, die mit dem Trauma in Verbindung stehen, zu verdrängen. Zusätzlich meiden sie Situationen oder Aktivitäten, die mit dem Erlebten in Verbindung stehen.

Eine dauerhafte Übererregung, sogenanntes Hyperarousal, ist ebenfalls ein Symptom der PTBS. Dieses zeigt sich z. B. durch Reizbarkeit oder Wutausbrüche, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie eine übertriebene Schreckhaftigkeit und Erregbarkeit. Riskantes oder selbstschädigendes Verhalten können hinzu kommen.

Dissoziative Symptome sind ebenso möglich. Dissoziation bedeutet, dass es das Gehirn nicht vollständig schafft, mentale Prozesse wie Denken, Wahrnehmung, Identität und Erinnerungen miteinander zu verknüpfen. Bei gesunden Menschen sind im Alltag zwar auch kleinere dissoziative Phänomene beobachtbar, zum Beispiel wenn sich Personen nicht an Details einer Autofahrt erinnern können, die sie vor kurzem gemacht haben. Im Rahmen einer PTBS sind die Symptome hingegen stärker und beziehen sich eher auf die traumatischen Inhalte.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine PTBS zu entwickeln?

Die Erkrankung kommt insgesamt häufiger in Ländern mit Kriegsaktivitäten, häufigeren Naturkatastrophen oder offener Gewalt auf der Straße vor. Die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben an einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken, liegt in den USA bei ganzen 8%, in Deutschland hingegen nur bei 2% und in Ländern wie Kanada, Australien und Mexiko ist sie noch niedriger.

50 – 65 % der Menschen, die im Krieg sind und eine gefährliche Situation erleben, entwickeln im Nachhinein eine PTBS. Bei sexuellem Missbrauch sind es zwischen 50 % und 55 %. Nach Verkehrsunfällen entsteht bei etwa 3 – 11 % der Betroffenen eine PTBS, bei Natur- oder Brandkatastrophen in ca. 5 % der Fälle. Zeugen von Unfällen oder Gewalthandlungen entwickeln in 2 – 7 % der Fälle eine PTBS.

Ist bei jeder Person das Risiko zur Entwicklung einer PTBS gleich hoch?

Nicht jeder Mensch wird nach dem Erleben von ein und derselben traumatischen Situation eine Posttraumatische Belastungsstörung bekommen. Trotzdem ist es potenziell bei jedem möglich. Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Rolle dabei spielen, ob uns ein Trauma langfristig beeinträchtigt oder nicht. Dabei sind besonders weibliche Personen, Personen mit geringer Intelligenz oder niedrigem Bildungsniveau und vorheriger Traumatisierung gefährdet.

Betrachtet man das Alter, dann ist bei Kindern und Jugendlichen das Risiko höher als bei jungen Erwachsenen. Ältere Erwachsene haben wiederum ein erhöhtes Risiko. Persönlichkeitseigenschaften wie Neurotizismus oder Introversion spielen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eine weniger große Rolle.

Es ist jedoch wichtig hervorzuheben, dass durch die genannten Faktoren immer noch relativ schlecht vorhersagbar ist, wer tendenziell nach einer belastenden Situation eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt und wer nicht. Selbst wenn einer oder mehrere der genannten Risikofaktoren vorliegen, muss nicht zwingend eine PTBS entstehen.

Verlauf der Erkrankung

Wie die Posttraumatische Belastungsstörung verläuft und ob sich schnell Besserung einstellt, hängt von einigen Faktoren ab. Sind Betroffene sehr mit dem Unterdrücken ihrer Gedanken und Gefühle in Bezug auf das Trauma beschäftigt, dann wirkt sich das eher negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Es ist zwar oft erst einmal einfacher, aber auch weniger heilsam, wenn sie nicht über die traumatisierenden Inhalte reden wollen. Zur Unterdrückung der unangenehmen Gefühle wird häufig auch selbstverletzendes Verhalten genutzt, dieses ist jedoch nicht wirklich hilfreich und kann neue Probleme mit sich bringen.

Es fällt vielen Betroffenen schwer, ist aber unglaublich wichtig für die Heilung: Über das Geschehene zu sprechen

Verfügen traumatisierte Personen hingegen über starke Selbstheilungskräfte, man spricht hierbei von Ressourcen, kann das positive Effekte haben. Eine Ressource kann alles Mögliche sein, was das psychische Wohlbefinden, die Handlungsfähigkeit oder den Schutz der Person steigert. Beispiele hierfür sind enge soziale Bindungen, ein positives Selbstwertgefühl oder gute Kommunikationsfähigkeiten. Können Betroffene offen mit ihrer schlimmen Erfahrung umgehen und erhalten sie soziale Unterstützung und Wertschätzung, wenn sie diese mit anderen teilen, wirkt sich das positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Wenn die PTBS nicht behandelt wird …

Wird eine PTBS nicht behandelt, verläuft die Erkrankung meist chronisch. Dabei entstehen oft erhebliche Probleme und ein starker Leidensdruck bei den Betroffenen. Nichtbehandelte PTBS-Patienten haben häufiger mit Familien- und Partnerschaftsproblemen zu kämpfen und lassen sich häufiger scheiden. Dazu können Probleme auf der Arbeit oder Arbeitslosigkeit kommen. Verantwortlich hierfür sind die symptombedingten Beeinträchtigungen, die sie durch die Traumatisierung in ihrem Leben ständig begleiten.

Suizidrisiko

Das Suizidrisiko ist bei Patienten mit nicht behandelter Posttraumatischer Belastungsstörung bis zu 15-Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die Erkrankung wirkt sich außerdem auf das Immunsystem aus, es treten öfter physische Erkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit auf. Daher ist es wichtig, dass sich Betroffene nicht für das schämen, was sie erleiden mussten, sondern sich professionelle Hilfe suchen. Speziell ausgebildete Traumatherapeuten können die Erkrankung gut behandeln.

Behandlung der PTBS

Die Behandlungsmethoden mit der höchsten Wirksamkeit bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung sind kognitiv-behaviorale Verfahren und EMDR.

Kognitiv-Behaviorale Verfahren

In der kognitiven Psychotherapie wird daran gearbeitet, dass die PTBS aufrechterhaltenden Faktoren beim Patienten eliminiert werden. Es wird an der Einstellung, die Patienten zu ihrem Trauma haben, gearbeitet und am Traumagedächtnis, also der Art, wie sie sich an die Situation erinnern.

Außerdem können Expositionsverfahren zum Einsatz kommen. Durch ein wiederholtes Beschäftigen mit und Aktivieren von den traumatischen Inhalten sollen die PTBS-Symptomatik und ein eventuell bestehendes Vermeidungsverhalten verringert werden. Es gibt auch imaginative Verfahren und „Schreibtherapien“, in der sich Patienten mit den traumatischen Szenen auseinandersetzen sollen.

EMDR

Beim EMDR stellen sich Patienten ebenfalls bewusst ihren traumatischen Erfahrungen. EMDR ist die Abkürzung für Eye Movement Desensitization and Reprocessing und heißt auf Deutsch Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung. Kern der Behandlung ist die bilaterale Stimulation. Dabei werden die beiden Gehirnhälften abwechselnd stimuliert. Dies kann durch ein Hin und Her Bewegen der Augen geschehen, durch wechselseitiges Berühren der linken und rechten Handfläche oder durch akustische Stimulation.

EMDR ist eine effektive Methode in der Behandlung von Traumafolgestörungen wie der PTBS

Diese Stimulation stärkt die Verarbeitungs- und Selbstheilungskräfte des Gehirns und wurde in zahlreichen Studien als effektive Methode zur Behandlung von PTBS und Traumafolgestörungen beschrieben. Die Erfahrung vieler Psychotherapeuten zeigt außerdem, dass mit EMDR in der Therapie schneller Ergebnisse erzielt werden können, als mit reiner Gesprächstherapie.

Einen Artikel, der den Ablauf einer EMDR-Sitzung genauer behandelt, findest du hier.

Was in der Traumatherapie wichtig ist

Da bei der Traumakonfrontation kurzfristig die Belastung beim Patienten ansteigen kann, sollte dies im Vorhinein immer klar besprochen werden. Traumatisierte Patienten mussten eine Situation erleben, in der sie enorm hilflos waren und kaum Einfluss darauf hatten, was mit ihnen geschieht. Daher ist es in der Behandlung ganz besonders wichtig, dass alles was geschieht, mit dem Patienten abgesprochen wird und dieser aktiv eingewilligt hat. Gefühle von Hilflosigkeit oder des Ausgeliefertseins sollten möglichst vermieden werden, um einer Retraumatisierung vorzubeugen.

Für eine effektive Behandlung ist es jedoch nötig, sich mit der traumatisierenden Situation zu konfrontieren, insbesondere wenn mit EMDR gearbeitet wird. Das Gute daran ist, dass es unter EMDR in der Regel schnell zu einer Erleichterung, der als sehr unangenehm erlebten Gefühle, kommt und sich dieser Effekt in der Regel nachhaltig positiv auf die Symptome auswirkt. Flashbacks können dadurch verschwinden und der Heilungsprozess geht schneller voran.

Julia Klimek
Julia Klimek
Hier schreibt Julia Klimek, Tochter von Nicole Klimek. Ich habe meinen Masterabschluss in Psychologie an der Universität des Saarlandes gemacht und beginne in Kürze die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin in Verhaltenstherapie. Die Begeisterung meiner Mutter für Psychologie inspirierte mich dazu, Psychotherapeutin zu werden. Trotz meines jungen Alters konnte ich bereits einige Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Patienten sammeln.
Julia Klimek
Julia Klimek
Hier schreibt Julia Klimek, Tochter von Nicole Klimek. Ich habe meinen Masterabschluss in Psychologie an der Universität des Saarlandes gemacht und beginne in Kürze die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin in Verhaltenstherapie. Die Begeisterung meiner Mutter für Psychologie inspirierte mich dazu, Psychotherapeutin zu werden. Trotz meines jungen Alters konnte ich bereits einige Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Patienten sammeln.
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Klimek - Privatpraxis für Psychotherapie, EMDR und Tiefenpsychologie in Dieburg

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