Gewaltfreie Kommunikation in der Partnerschaft

Lösungsorientiert und wertschätzend kommunizieren lernen

Früher oder später kommt es wohl in jeder Partnerschaft zu Konflikten. Enden diese häufig als heftige Streits, sind oft Schwierigkeiten in der Kommunikation der Auslöser. Eine Technik, die hierbei helfen kann, ist die gewaltfreie Kommunikation. Wie die Technik funktioniert, auf was du dabei achten solltest und warum sie so hilfreich ist, erfährst du in diesem Artikel.

Was ist gewaltfreie Kommunikation?

Die gewaltfreie Kommunikation ist eine von Marshall Rosenberg entwickelte Gesprächsstrategie mit der Konfliktlösungen erzielt und ein empathisches Miteinander geschaffen werden soll. Es soll aktiv zugehört und statt Kritik, Wünsche und Bitten formuliert werden. So können Konflikte gelöst werden, während sich beide Partner wertgeschätzt und angenommen fühlen.

Was ist das Gegenteil von gewaltfreier Kommunikation?

Mit der gewaltfreien Kommunikation sollen die Dinge vermieden werden, die zu eskalierenden Streits führen. Besonders leicht eskalieren Gesprächen, in denen ein Gesprächspartner verurteilt oder beschuldigt wird. Die meisten Menschen gehen dann sofort in eine Verteidigungshaltung. Es wird ihnen keine Chance gelassen, etwas am eigenen Verhalten zu ändern oder gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Übernimmt eine Partei zudem keine Verantwortung, über die eigenen Gefühle und Handlungen, kann das ebenso eskalierend wirken. Auch Forderungen zu stellen, statt Bitten auszusprechen, wirkt konfliktfördernd.

Worauf beruht die gewaltfreie Kommunikation?

Bei der gewaltfreien Kommunikation soll ein Täter-Opfer-Denken, wie ich es eben beschrieben habe, vermieden werden. Es geht nicht darum, einen Schuldigen für die eigenen Probleme zu suchen, sondern gemeinsam lösungsorientiert und empathisch zu kommunizieren. Hierbei spielt Selbstreflexion eine wichtige Rolle. Sich selbst neutral in Situationen beobachten und die eigenen Bedürfnisse verstehen zu können, ist von zentraler Bedeutung. Dazu gehört auch anzuerkennen, dass die eigenen Gefühle zwar ihre Berechtigung haben, aber dass sie aus einer subjektiven Sicht heraus entstehen. Die Trennung zwischen der neutralen Beobachtung und subjektiven Gefühlen ist hierbei wichtig. Einen neutralen Blick über Situationen zu wahren, die Beobachtung der eigenen Gefühle sowie Selbstreflexion können erlernt werden.

Wann kann ich gewaltfreie Kommunikation anwenden?

Im Kontext der Partnerschaft eigentlich immer. Es ist wohl kaum irgendwo so wichtig, Probleme direkt anzusprechen, wie in der eigenen Beziehung. Es können Missverständnisse, Konflikte und Leid vermieden werden, wenn man die Dinge direkt ausspricht. Wenn dich also etwas stört, du ein unschönes oder schon oft diskutiertes Thema anschneidest oder dein Partner eine Sache klären will, ist ein guter Zeitpunkt, gewaltfreie Kommunikation anzuwenden. Das Gute ist: Wenn du nicht anfängst zu beschuldigen und stattdessen aktiv zuhörst, Nachfragen stellst und deine Bedürfnisse gewaltfrei kommunizierst, steigt auch die Chance, dass dein Partner einen kühlen Kopf behält und sachlich mit dir redet. Am Ende gehören zwar immer zwei Menschen zu einer gelungenen Kommunikation aber wenn du gewaltfrei kommunizierst ist schonmal der Grundstein dafür gelegt, dass das Gespräch wertschätzend und sachlich geführt wird.

Wie funktioniert gewaltfreie Kommunikation?

Konkret beschreibt Rosenberg vier Schritte, die bei der gewaltfreien Kommunikation zum Erfolg führen sollen:

  1. Beobachte die aktuelle Situation
  2. Erkenne das Gefühl, was sie in dir auslöst
  3. Verstehe dein dahinterliegendes Bedürfnis, welches gerade nicht erfüllt wird
  4. Formuliere als Bitte, was dein Partner tun könnte, um das Bedürfnis zu erfüllen

Du kannst alle vier Punkte ausformulieren und gibst so deinem Partner die Chance, zu verstehen, was in dir vorgeht. Ein Beispiel, wie du dies tun könntest, sieht so aus:

„Wenn du abends länger als sonst arbeitest (Situation), dann habe ich manchmal Angst (Gefühl), weil ich wissen will, dass es dir gut geht (Bedürfnis). Würdest du mir deshalb bitte schreiben, wann du ungefähr heim kommst, falls es später wird (Bitte)?“

Oder ein anderes Beispiel:

„Wenn deine Klamotten im Schlafzimmer herumliegen (Situation), dann fühle ich mich unwohl (Gefühl), weil ich eine gewisse Grundordnung brauche, um mich zuhause wohlzufühlen (Bedürfnis). Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du deine Klamotten in Zukunft wegräumst (Bitte).“

Wenn dein Partner versucht, ein Bedürfnis von sich zu kommunizieren, kann man ihm dies in genau demselben Stil widerspiegeln. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden, zu zeigen, dass man aktiv zuhört und dass man gerne an einem Strang ziehen möchte. Beispielsweise so:

„Weil ich manchmal rauche (Situation), fühlst du dich angeekelt (Gefühl), da du den Geruch nicht um dich haben möchtest (Bedürfnis). Deshalb möchtest du, dass ich damit aufhöre (Bitte)?“

Was, wenn mein Partner mich trotzdem einfach nicht versteht?

Manchmal versteht der eigene Partner, trotz mehrfacher Versuche die Lage klarzumachen, nicht, was in einem vorgeht.  Zu erkennen, dass dies der Fall ist und dass man sich gegebenenfalls im Kreis dreht, ist hierbei der erste Schritt. Dann hilft es, sich zu fragen, ob es überhaupt notwendig ist. Wenn wir schon selbst reflektiert haben, dass unsere Gefühle subjektiv sind und teilweise nicht direkt mit dem Handeln unseres Partners zusammenhängen, kann das nebensächlich sein. Wichtig ist jedoch, dass der Partner zugehört und versucht hat, zu verstehen. Menschen sind sehr komplex und es wäre sehr viel verlangt, dass der Lebenspartner alles zu 100% nachvollziehen kann, was wir warum machen oder fühlen. Im besten Fall ändert der Partner sein Verhalten dennoch, wenn du eine Bitte oder Wunsch formulierst und ihn nicht im Gespräch angegriffen hast.

 

Julia Klimek
Julia Klimek
Hier schreibt Julia Klimek, Tochter von Nicole Klimek. Ich habe meinen Masterabschluss in Psychologie an der Universität des Saarlandes gemacht und beginne in Kürze die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin in Verhaltenstherapie. Die Begeisterung meiner Mutter für Psychologie inspirierte mich dazu, Psychotherapeutin zu werden. Trotz meines jungen Alters konnte ich bereits einige Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Patienten sammeln.
Julia Klimek
Julia Klimek
Hier schreibt Julia Klimek, Tochter von Nicole Klimek. Ich habe meinen Masterabschluss in Psychologie an der Universität des Saarlandes gemacht und beginne in Kürze die Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin in Verhaltenstherapie. Die Begeisterung meiner Mutter für Psychologie inspirierte mich dazu, Psychotherapeutin zu werden. Trotz meines jungen Alters konnte ich bereits einige Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Patienten sammeln.
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Klimek - Privatpraxis für Psychotherapie, EMDR und Tiefenpsychologie in Dieburg

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